SeHT e.V.

Berichte

17. Mai 2015

Zeit zum Loslassen - Eltern-Wochenende der SeHT-Landesvereinigung Rheinland-Pfalz


Die SeHT-Landesvereinigung Rheinland-Pfalz hat sich in einem Wochenendseminar für Eltern einem der ganz großen Themen der Selbständigkeitshilfe bei Teilleistungsschwächen gewidmet: Dem selbständigen Wohnen.


Das gleiche Thema - Selbständig leben, Selbständigkeit erleben - stand kurz darauf im Mittelpunkt eines dreitägigen Trainingsprogramms für junge Erwachsene im Kolpinghaus in Falkenstein / Pfalz. Das selbständige Wohnen ist schließlich auch das Ziel eines langfristig angelegten Projekts, das die Landesvereinigung in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen GEWO Leben GmbH Speyer verfolgt.


Das Wochenende für Eltern im Naturfreundehaus Neustadt an der Weinstraße war bewusst so angelegt, dass Väter und Mütter aus der täglichen Umgebung herauskommen und sich in angenehmer Umgebung im Pfälzerwald entspannt, frei und offen über ihre Erfahrungen, über ihre Ängste und Befürchtungen austauschen können.


Das Programm, von der Vorsitzenden der Landesvereinigung, Inge Bellmann und der Diplom-Psychologin Andrea Reiner, gemeinsam entwickelt, war auf die aktive Beteiligung der Teilnehmer ausgelegt. Kurzreferate wechselten ab mit Gesprächsrunden im großen oder kleinen Kreis. Bilder, Comics, Zitate und Stichwortkarten dienten der Anregung und brachten Väter und Mütter zum intensiven Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Das von Inge Bellmann ausgedachte SeHT-Würfelspiel sorgte am Abend für muntere Gespräche in froher Runde.


Manche Eltern haben bereits Erfahrungen gemacht mit dem Auszug ihres Kindes - positive und negative. Andere Eltern wohnen schon immer mit ihrem erwachsenen Sohn oder ihrer erwachsenen Tochter zusammen, ohne mit der Fortdauer dieses Zustands zufrieden zu sein. Schließlich kamen auch Teilnehmer zu Wort, die sich konkret damit beschäftigen, mit Sohn oder Tochter die Verselbständigung vorzubereiten.


Deutlich wurde: Es gibt kein Patenrezept, das für alle gleichermaßen passt. Es gibt keine Frist, bis zu der Kinder einen selbständigen Haushalt gründen müssen. Das Zusammenwohnen und Zusammenleben mehrerer Generationen, wie es früher war und wie es heute in Mehrgenerationenprojekten angestrebt wird, kann funktionieren. Es kann aber auch zur Belastung werden für Eltern wie für Kinder, wenn es nicht Ausdruck einer selbst bestimmten, selbst gewählten, gleichberechtigten Lebensform ist, sondern Notlösung, weil man nicht den Mut findet, sich zu trennen und sich nicht genug Energie und Selbstbewusstsein zutraut, um eigenständig zu leben.


Es kommt hinzu, dass Menschen mit Teilleistungsschwächen oft nicht den verlässlichen Lebenspartner haben, mit dem zusammen sie Eigenständigkeit erproben können und mit dem sie gemeinsam durchs Leben gehen. Auch die Integration in das soziale Umfeld gelingt nicht immer. So sorgen sich viele Eltern, dass der Sohn oder die Tochter im eigenen Haushalt vereinsamt, mit den Anforderungen nicht zurechtkommt und seelisch und körperlich verwahrlost. Andererseits denken Eltern darüber nach, wie es mit ihrem Kind weitergehen mag, wenn die Eltern einmal nicht mehr sind und wenn das Kind auf ein selbständiges Leben nicht vorbereitet ist.


In diesem Spannungsfeld zwischen Über-Fürsorglichkeit, Hoffnungen, Ängsten und Befürchtungen gilt es Wege aufzuzeigen, wie den Selbständigkeits-Bedürfnissen von Eltern wie auch von erwachsen gewordenen Kindern am besten entsprochen werden kann und wie Betroffene stark gemacht werden können für ein Leben in Selbständigkeit. Hierzu gehört als Rahmen die Sicherung der äußeren Lebensbedingungen - Wohnung, Haushalt, finanzielle Regelungen - wie auch der Aufbau und die Pflege sozialer Beziehungen und nicht zuletzt die Verfügbarkeit von Ansprechpartnern, die bei Unsicherheiten oder in Krisensituationen mit Rat und Tat bereit stehen.


Das Eltern-Wochenende hat den Teilnehmern viel Raum gegeben für Erfahrungsaustausch und Aussprache. SeHT konnte einige Anregungen vermitteln und Zukunftsperspektiven aufzeigen. Und: „Ich habe schon lange nicht mehr so viel gelacht“, wie eine Teilnehmerin anmerkte. Nicht das schlechteste Lob für ein Wochenendseminar.




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