SeHT e.V.

Berichte

05. August 2017

SeHT in der Politik


SeHT wirbt damit für die Förderung von Menschen mit Teilleistungsschwächen – ein Thema der Sozial- und Bildungspolitik, welches nach wie vor politische Aufmerksamkeit verdient. Anfang August schrieben wir mehrere Kandidaten zur Bundestagswahl aus den verschiedenen Parteien an und baten sie um Stellungnahme zu unseren bildungs- und sozialpolitischen Thesen.


Einige antworteten und nahmen unser Anliegen sehr ernst.


Torbjörn Kartes CDU, Ludwigshafen:

„...vielen Dank für Ihre Nachricht und die Informationen bezüglich der Förderung von Menschen mit Teilleistungsschwächen. Sehr gerne können wir uns hierzu – insbesondere im Fall meiner Wahl in den Deutschen Bundestag – persönlich austauschen. Bereits heute kann ich Ihnen zusichern, dass ich mich sehr gerne intensiv mit dieser Thematik beschäftigen und die Interessen von Menschen mit Teilleistungsschwächen vertreten möchte...“

Wir werden noch um ein Gespräch bitten.



Johannes Steiniger CDU, Speyer/Neustadt

„...vielen Dank für Ihre Mail vom 03.08.2017 und die übersandten Unterlagen zu Ihrem Verein und dessen gemeinnütziger Arbeit. Diese spiegeln in anschaulicher Form Ihre engagierte Tätigkeit für Jugendliche und Erwachsene mit Teilleistungsschwächen wider. Herr Steiniger würde sich gern mit Ihnen zu einem Gespräch vor Ort treffen. Er schlägt hierfür Montag, 16.10.2017, 13:00 Uhr, vor. Herr Steiniger würde sich freuen, wenn dieser Termin auch bei Ihnen möglich wäre und Sie uns diesen kurz bestätigen würden...“

Das Gespräch fand am 25. Oktober in Speyer satt. Dazu gibt es einen eigenen Bericht.



Tobias Lindner Die Grünen/Südliche Weinstraße

„Vielen Dank für Ihre Nachricht vom 4. August, in der Sie auf das Thema: Förderung von Menschen mit Teilleistungsschwächen eingehen. Ich habe mir erlaubt, die Positionen meiner Partei zu diesem Thema darzustellen und so auf Ihre Thesen einzugehen. Bezüglich der Terminanfrage würde ich Sie gerne an meine Kollegin Frau Corinna Rüffer aus Trier verweisen, die als Sprecherin für Behindertenpolitik der GRÜNEN Bundestagsfraktion für den weiteren inhaltlichen Austausch am besten geeignet ist.
Wir wollen die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung stärken. Dafür werden wir die VN-Behindertenrechtskonvention konsequent umsetzen. Wir wollen, dass es keine Sonderwelten gibt, sondern Menschen mit Behinderung uneingeschränkt teilhaben können am Leben in der Gesellschaft. Menschen mit Behinderung sollen frei darüber entscheiden können, wo und wie sie wohnen. Auch darüber, welche Assistenz, Pflege oder pädagogische Unterstützung sie möchten. Menschen mit Behinderungen sollen die Möglichkeit haben, gemeinsam mit nicht behinderten Menschen zu leben, zu lernen und zu arbeiten. Sie sollen sich gleichberechtigt und selbstbestimmt beteiligen und insbesondere die Entscheidungen, die sie selbst betreffen, mitgestalten können.
Wir unterstützen Menschen mit Behinderung entschieden bei Bildung, Ausbildung und Arbeit. Statt Werkstätten für Menschen mit Behinderung auszubauen, werden wir ihre Öffnung zum allgemeinen Arbeitsmarkt über das Budget für Arbeit, Unterstützte Beschäftigung und Integrationsbetriebe fördern. Wir wollen die Arbeitswelt gerechter gestalten. Menschen mit Behinderung haben das gleiche Recht, mit Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dazu muss sich ihr Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt verbessern. Die Ausgleichsabgabe werden wir deutlich erhöhen und damit Betriebe fördern, die über ihre Quote hinaus Menschen mit Behinderung ausbilden und beschäftigen. Die Schwerbehindertenvertretung werden wir stärken. Das Budget für Arbeit, die unterstützte Beschäftigung und Inklusionsfirmen erleichtern den Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt. In den Werkstätten für Menschen mit Behinderung wird allen, die den Einstieg nicht schaffen, ein fair entlohntes Arbeitsangebot gemacht. Das „Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Leistung“ als Voraussetzung für die Werkstätten schaffen wir ab.“



Alexander Ulrich Die Linke, Kaiserslautern

„Vielen Dank für die Zusendung der bildungs- und sozialpolitischen Thesen der SeHT-Landesvereinigung Rheinland-Pfalz e.V. Gerne möchte ich Ihnen hiermit meine Position dazu mitteilen.“


Ihre Thesen:


„Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) soll schwerbehinderten Menschen deutliche Verbesserungen bringen: Mehr Wahlmöglichkeiten, wie und wo sie leben, mehr finanzielle Spielräume, mehr Mitbestimmung. Die gesetzlichen Verbesserungen sind allerdings in erster Linie gedacht für Menschen, bei denen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 festgestellt worden ist.
Menschen mit Teilleistungsschwächen sind nur teilweise als schwerbehindert anerkennt. Die Schwierigkeit, mit den Herausforderungen des Alltags zurechtzukommen, ist ihnen – anders als bei körperlich Behinderten – meist nicht anzusehen. Bei einigen ist ein Grad der Behinderung von 30 festgestellt, in einer Vielzahl von Fällen wollen sie sich aber keinem amtlichen Überprüfungsverfahren unterziehen. Sie sitzen damit „zwischen den Stühlen“.
Die gesetzliche Möglichkeit, dass Menschen mit einem anerkannten Behinderungsgrad von mindestens 30 Schwerbehinderten gleichgestellt werden, reicht nicht aus. Menschen mit Teilleistungsschwächen brauchen unabhängig vom Behinderungsgrad vorübergehende oder dauerhafte Unterstützung beim selbständigen Wohnen und Wirtschaften, bei der Teilhabe am Arbeitsleben und bei der Teilhabe am sozialen Leben.“



Antwort der Fraktion DIE LINKE:

„Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) wurde leider nicht menschenrechtskonform ausgestaltet und entspricht nicht den Anforderung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK). Es wurden Kostenvorbehalte sowie Einsparungsmöglichkeiten für Länder, Kommunen und die Kostenträger festgeschrieben. Damit werden beispielsweise Einweisungen in Heime gegen den Willen der Menschen und eine gemeinschaftliche Leistungserbringung ermöglicht. Dies schränkt das Selbstbestimmungsrecht von Menschen mit Behinderungen erheblich ein.


Die UN-BRK definiert in Artikel 1:
Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren ihre volle und wirksame Teilhabe gleichberechtigt mit anderen an der Gesellschaft behindern können.

DIE LINKE fordert, dass auch diese Definition von Behinderung ins BTHG korrekt übernommen wird. Dies ist leider nicht geschehen. Menschen mit Teilleistungsschwächen, die unter diese Definition fallen und einen Bedarf an Teilhabeleistungen haben, sollten aus Sicht der LINKEN auch Teilhabeleistungen erhalten. Diese müssen dann bedarfsgerecht und vollständig unabhängig von Einkommen und Vermögen garantiert werden (Bundestagsdrucksache 18/1949).“


Ihre Thesen:


„Erzieher, Lehrer und Fachkräfte aus dem Bildungsbereich sollten besser über Teilleistungsschwächen aufgeklärt werden. Die Schulen brauchen Fachberater und „Wegweiser“, um Kinder mit Teilleistungsschwächen aus dem Abseits herauszuführen.“


Antwort der Fraktion DIE LINKE:

„Inklusive Bildung erfordert nicht nur gut vorbereitete Lehrkräfte und andere pädagogische und therapeutische Fachkräfte, sondern teilweise auch andere Lehr- und Lernmittel, eine andere technische und räumliche Ausstattung aller Bildungseinrichtungen und des Umfeldes und selbstverständlich auch Bildungsgebäude mit Arbeits- und Lernbedingungen, mit denen man die neuen Herausforderungen gut meistern kann. Im Bereich Bildung erfordert es eine grundlegend neue Lehr- und Lernkultur, die alle Lernenden in ihrer Individualität respektiert und wertschätzt, die die Fähigkeiten jeder und jedes Einzelnen erkennt und fördert und zum bestmöglichen Lernerfolg führt. Dazu bedarf es zusätzlicher Ressourcen, wie ausreichenden und barrierefreien Raum, die Ausstattung mit barrierefreien Lehr- und Lernmitteln sowie Hilfsmitteln, mehr gut ausgebildetes Personal und pädagogische wie therapeutische Unterstützungssysteme. Die individuelle Förderung muss den Lernenden folgen, nicht umgekehrt. Das aufwändige Antragssystem muss entbürokratisiert und rechtlich zusammengeführt werden. Für Schule, Hort und außerschulische Bildungsangebote dürfen keine unterschiedlichen Standards und Rechtsansprüche gelten. Was für einen Lernort gewährt wurde, muss auch für die anderen in gleicher Weise zur Verfügung stehen.
Menschen mit Behinderungen müssen benötigte Assistenzleistungen und andere Unterstützungsangebote in allen Bildungsetappen garantiert werden.


Bildung ist zwar Ländersache, aber die Umsetzung inklusiver Bildung ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft. Auch im Bereich der Umsetzung von inklusiver Bildung muss die Kooperation zwischen Bund und Ländern darum ausgebaut und das Kooperationsverbot in der Bildung komplett aufgehoben werden.
Darüber hinaus muss dafür Sorge getragen werden, dass die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in allen sie betreffenden Bereichen inklusiv ausgerichtet ist. Die Verantwortlichkeit für die Kinder, Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen mit Behinderung ist bei der Kinder- und Jugendhilfe im SGB VIII mit Rechtsanspruch anzusiedeln. Dort ist auch auf den im SGB IX festzuschreibenden Anspruch auf bedarfsgerechte, einkommens- und vermögensunabhängige Teilhabeleistungen wie beispielsweise für Assistenz und Hilfsmittel zu verweisen.



DIE LINKE fordert mit Schüler- und Elternvertretungen, wichtigen Akteurinnen und Akteuren in den Kommunen, Behindertenverbänden, Gewerkschaften, pädagogischen Fachverbänden und mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Erarbeitung vergleichbarer und verbindlicher Standards für inklusive Schule, etwa für die Erfordernisse des gemeinsamen Unterrichts, bundeseinheitlich zu entwickeln und Ressourcen für deren länderübergreifende Verbreitung bereitzustellen. Gemeinsam mit den Ländern und Fachverbänden müssen Standards für die personelle, bauliche, technische und sächliche Ausstattung inklusiver Schulen erarbeitet und in Bund und Ländern, insbesondere auch im Baurecht gesetzlich verankert werden.“



Ihre Thesen:


„Auch in der Arbeitswelt ist Inklusion möglich. Ausbildungsangebote sollten sich an den Fähigkeiten der Bewerber ausrichten und nicht an den gerade verfügbaren Ausbildungsplätzen. Beschäftigungsmöglichkeiten in Werkstätten, Integrationsbetrieben oder auf einem abgetrennten „sozialen Arbeitsmarkt“ können nur ein ergänzendes Angebot zu Arbeitsplätzen auf dem ersten Arbeitsmarkt darstellen.


Einfache Arbeitsplätze in Unternehmen und Betrieben sollten nicht abgeschafft werden. Menschen mit Teilleistungsschwächen sind grundsätzlich arbeitswillig und bildungsfähig. Ihr Einsatz auf einem Arbeitsplatz mit geringeren fachlichen Anforderungen ist wirtschaftlich sinnvoll.


Es sollten weitere Ausbildungsgänge und Arbeitsplätze mit reduzierten Anforderungen geschaffen werden. Eine Ausweitung des Förderprogramms wäre sinnvoll. Dadurch könnten Aufwendungen für die Zahlung von Arbeitslosengeld erspart werden. Die Begleitung durch innerbetriebliche Mentoren am Arbeitsplatz sollte gefördert werden.“


Antwort der Fraktion DIE LINKE:

„DIE LINKE unterstützt die Forderung nach Verbesserung der Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderungen. DIE LINKE fordert (Bundestagsdrucksache 18/5227): Die Schaffung von Rahmenbedingungen für einen inklusiven Arbeitsmarkt – so wenig Sonderarbeitswelten wie möglich; langfristige und bedarfsgerechte Förderprogramme zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen; die Erhöhung der Beschäftigungsquote auf sechs Prozent sowie die Anhebung der Ausgleichsabgabe; die Änderung der Arbeitsstättenverordnung zur Schaffung einer barrierefreien Arbeitsumwelt; den Ausbau von Inklusionsunternehmen und -abteilungen; die Verbesserung von Beratung und Vermittlung von Menschen mit Behinderungen durch die Bundesagentur für Arbeit; das Recht auf reguläre Arbeitsverhältnisse und eine tarifliche Entlohnung für Beschäftigte in den Werkstätten für behinderte Menschen.


Die Bundesagentur für Arbeit muss die einheitliche Anlaufstelle für die Beratung und Vermittlung von Menschen mit Behinderungen sowohl für den Rechtskreis des SGB III als auch des SGB II sein. Die bestehende Schnittstellenproblematik und wechselnde Zuständigkeiten für Empfängerinnen und Empfänger der Grundsicherung für Arbeitsuchende mit Behinderungen müssen überwunden werden. DIE LINKE fordert den personenzentrierten Ansatz als Instrument ohne Kostenvorbehalt auszugestalten. Dafür sind Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bedarfsgerecht auf der Grundlage eines bundeseinheitlichen, am Lebenslagenansatz orientierten Bedarfsfeststellungsverfahrens auszugestalten.
Für Verlässlichkeit und Planbarkeit sind Förderungen trägerübergreifend und langfristig zu gewähren, auch in Form von dauerhaften Lohn-, Gehalts- sowie Mobilitätszuschüssen. Das Budget für Arbeit ist als Leistungsanspruch bedarfsgerecht auszugestalten.
Übergangswege in reguläre Beschäftigung wie der „Öffentlich geförderte Beschäftigungssektor“ und die „Unterstützte Beschäftigung“ sind zu erweitern, beispielsweise durch dauerhafte Berufsbegleitung, und aus Bundesmitteln langfristig zu sichern.“


Ihre Thesen:


„Es fehlt an bezahlbaren Wohnungen für Menschen mit Teilleistungsschwächen. Die SeHT-Landesvereinigung strebt an, in Zusammenarbeit mit kommunalen Wohnbaugesellschaften entsprechende Wohneinheiten zu schaffen. Hierfür braucht es politische Unterstützung.“


Antwort der Fraktion DIE LINKE:

„Die UN-BRK muss umgesetzt werden. Menschen mit Behinderungen sollen gleichberechtigt die Möglichkeit haben, ihren Aufenthaltsort zu wählen und zu entscheiden, wo und mit wem sie leben. Sie sollen nicht verpflichtet sein, in besonderen Wohnformen zu leben. Das neue BTHG schränkt dieses Recht wie viele andere auch leider durch Kostenvorbehalte stark ein, so im neuen 104 SGB IX. Dieser Mehrkostenvorbehalt muss gestrichen werden, so dass das Wunsch- und Wahlrecht hinsichtlich Wohnort und Wohnform uneingeschränkt garantiert wird.


DIE LINKE will barrierefrei bauen und setzt sich für inklusive Städte ein. Die Schaffung von barrierefreiem, uneingeschränkt nutz- und bezahlbarem Wohnraum für alle Menschen mit Behinderungen ist für DIE LINKE ein sehr wichtiges Anliegen. Daher fordern wir diskriminierungsfreies Wohnen als Menschenrecht im Grundgesetz zu verankern. Für die praktische Realisierung müssen politische Maßnahmen ergriffen werden, die ein weiteres Ansteigen der Mieten auf Grund starker Nachfrage unterbinden. Wir wollen einen Neustart für einen sozialen, gemeinnützigen Wohnungsbau, mit barrierefreien Angeboten, deren Umsetzung in einem Bund-Länder-Konzept verbindlich zu vereinbaren ist. DIE LINKE fordert 5 Milliarden Euro jährlich, die über das Jahr 2019 hinaus den Neubau und den Ankauf von Mietpreis- und Belegungsbindungen für 250.000 Wohnungen im Jahr finanzieren, zweckgebunden, dauerhaft und vorrangig durch kommunale und gemeinnützige Träger. Einmal Sozialwohnung, immer Sozialwohnung, das muss in Zukunft gelten. Barrierefreies Bauen muss grundsätzlich im Baugesetz der BRD verankert werden. Barrierefreiheit soll, wie die Statik, vor Erteilung der Baugenehmigung einer Prüfung unterzogen werden.
DIE LINKE möchte, wie oben beschrieben, den Neustart für einen sozialen, gemeinnützigen Wohnungsbau mit entsprechenden barrierefreien Angeboten vorantreiben und ambulante, barrierefreie Wohnformen ausbauen. Beides muss entsprechend mit ausreichenden, finanziellen Förderungen ausgestattet werden.“


Ihre Thesen:


Die Möglichkeiten des „persönlichen Budgets“ sollten auch Menschen mit Teilleistungsschwächen zugutekommen.


Antwort der Fraktion DIE LINKE:

„Ja – siehe oben zu den Ausführungen zu den Teilhabeleistungen.“


Ihre Thesen:

Beratungs- und Hilfsangebote für Betroffene sind über die verschiedensten staatlichen und kommunalen Stellen verteilt, ohne dass eine Koordination stattfindet – Arbeitsagenturen, Jobcenter, gesetzliche Kranken- und Rentenversicherungen, Sozialhilfeträger, Pflegekassen, Integrationsämter, Gesundheitsämter, schulpsychologische Dienste, Sozialämter, Träger der Wohlfahrtspflege usw. Es muss sich erst noch zeigen, ob die im SGB IX vorgesehene Abstimmung zwischen den verschiedenen Stellen in der Praxis funktioniert. Wir fordern für Menschen mit Teilleistungsschwächen eine Anlaufstelle zur „Beratung aus einer Hand“ bzw. nach dem Vorbild der EG-Dienstleistungsrichtlinie einen „einheitlichen Ansprechpartner“.


Antwort der Fraktion DIE LINKE:

„Bezüglich von Teilhabeleistungen müssen Ansprüche und Bedarf nach bundesweit einheitlichen Kriterien auf Grundlage der ICF festgestellt werden. Verantwortliche Entscheidungsstellen sind einzurichten. Diese sind bundesweit einheitlich zuständig für die Antragsannahme, Anspruchsprüfung und -feststellung sowie die Bedarfsermittlung. Sie bewilligen die Leistungen und sichern die Leistungsverpflichtung der Rehaträger. Dieses Verfahren muss unter aktiver Beteiligung der Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen diskriminierungsfrei ausgestaltet werden.
Eine beitragsfreie, wohnortnahe und von den Leistungsträgern sowie Leistungserbringer unabhängige Beratung muss Teil des Anspruchs sein. Diese Sollte im Sinne „Betroffene beraten Betroffene“ (Prinzip des Peer Counseling) ausgestaltet werden.“




Antwort der SPD – Bundesministerium für Arbeit und Soziales

„Frau Bundesministerin Andrea Nahles dankt Ihnen für die ihr übermittelten bildungs- und sozialpolitischen Thesen der SeHT-Landesvereinigung Rheinland-Pfalz e.V. Ich bin gebeten worden, Ihnen zu antworten.
In Ihren Thesen führen Sie einleitend aus, die mit dem Bundesteilhabegesetz eingeführten Verbesserungen seien in erster Linie gedacht für Menschen mit einer Schwerbehinderteneigenschaft, also einem Grad der Behinderung von wenigstens 50 und brächten in erster Linie Verbesserungen für diese Personengruppe. Die Gruppe der Menschen mit einer Teilleistungsschwäche profitiere nicht davon, da sie in aller Regel nicht schwerbehindert seien.
Tatsächlich sieht das mit dem Bundesteilhabegesetz neu gefasste Neunte Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) auch wichtige Verbesserungen für schwerbehinderte Menschen vor, so die Stärkung der Interessenvertretungen der schwerbehinderten beschäftigten Menschen in den privaten Betrieben und den öffentlichen Verwaltungen, die Einführung eines neuen Merkzeichens im Schwerbehindertenausweis für die Personengruppe der taubblinden schwerbehinderten Menschen und die Einführung von Mitbestimmungsrechten der Werkstatträte in den Werkstätten für behinderte Menschen und die Einführung von Frauenbeauftragten in diesen Einrichtungen.


Das SGB IX ist künftig in drei Teile gegliedert:


  • In Teil 1 ist das für alle Rehabilitationsträger geltende Rehabilitations- und Teilhaberecht zusammengefasst. Wichtig ist, dass in den Fällen, in denen Leistungen mehrerer Rehabilitationsträger erforderlich sind, der leistungsverantwortliche Leistungsträger ein verpflichtendes Teilhabeplanverfahren durchzuführen hat. Der Mensch mit Behinderungen ist dabei von Beginn an einbezogen. Er muss dann für die unterschiedlichen Leistungen nicht mehrere Anlaufstellen aufsuchen. Leistungen können damit aus einer Hand erbracht werden.

  • In Teil 2 ist künftig das Recht der Eingliederungshilfe geregelt, das ab 2010 neu ausgerichtet wird zu einer personenzentrierten Leistung. Leistungsberechtigt sind Menschen mit wesentlichen Behinderungen, ab 2023 Menschen mit Behinderungen, die in erheblichem Maße in ihrer Fähigkeit zur Teilhabe an der Gesellschaft eingeschränkt sind.

  • Das Schwerbehindertenrecht ist künftig in Teil 3 geregelt.


Wenn Sie in Ihren bildungs- und sozialpolitischen Thesen zum Ausdruck bringen, für Menschen mit Teilleistungseinschränkungen sollten weitere Ausbildungsgänge und Arbeitsplätze eingerichtet und gefördert werden, so könnte dadurch der Eindruck entstehen, für diese Menschen mit Behinderungen gebe es heute keine Fördermöglichkeiten.

Dies halte ich nicht für zutreffend. So möchte ich auf die vielfältigen Fördermöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit wie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, ausbildungsbegleitende Hilfen für förderungsbedürftige junge Menschen oder auch die im Jahre 2009 eingeführte Unterstützte Beschäftigung hinweisen, die gerade auch für Menschen mit Teilleistungseinschränkungen ein Weg sein kann. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fördert aktuell Integrationsbetriebe (ab 1.1.2018 lnklusionsbetriebe) über die bereits durch die Integrationsämter geleistete Förderung hinaus in erheblichem Umfang aus Mitteln der Ausgleichsabgabe. lnklusionsbetriebe sind aus Sicht des Bundesministeriums für Arbeit ein wichtiger Bestandteil der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Auch Menschen mit Teilleistungseinschränkungen können davon ggfls. profitieren.

Zu Ihrer Forderung nach einer Beratung „aus einer Hand" möchte ich auf den mit dem Bundesteilhabegesetz in das SGB IX neu eingeführten § 32 verweisen. Mit dieser Vorschrift wurden flankierend zu einem trägerübergreifenden Teilhabeplanverfahren die gesetzlichen Voraussetzungen für ein unentgeltliches, allen Menschen mit (drohenden) Behinderungen und ihren Angehörigen offenstehendes und Orientierung gebendes Angebot zur Beratung über Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe geschaffen. Daher fördert der Bund niedrigschwellige, von Leistungsträgern und Leistungserbringern unabhängige Beratungsangebote, die nur dem Ratsuchenden gegenüber verpflichtet sind und unter Nutzung der Beratungsmethode des Peer Counseling zur Stärkung der Selbstbestimmung und Verbesserung der Teilhabemöglichkeiten von Menschen mit (drohenden) Behinderungen beitragen. Für diese, auf bestehenden Strukturen aufsetzende und die gesetzlichen Beratungspflichten der Rehabilitationsträger „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ stehen ab dem 1. Januar 2018 für die Dauer von fünf Jahren jährlich 58 Mio. Euro zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen. Im Auftrag, Sascha Köhne

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