SeHT e.V.

Berichte

22. – 24. Juni 2018

Grenzerfahrungen – Grenzen!

Politisches Wochenende in Niederbronn les bains


Grenzen beschäftigen uns alle – meist die Grenzen, die uns durch unseren Körper, unsere Ängste, Persönlichkeit, finanziellen Möglichkeiten usw. gesetzt sind. Manchmal akzeptieren wir sie, oft versuchen wir aber auch sie zu überwinden, mehr Freiheiten zu bekommen.
Grenzen im politischen Sinne, also Landesgrenzen, die kontrolliert werden, wo Grenzbeamte mit Gewehren stehen, die wir vielleicht nicht einfach so überschreiten dürfen, kennen die meisten von uns kaum noch. Und dass Länder versuchen, ihre Außengrenzen zu erweitern, kennen wir alle eigentlich nur aus dem Fernseher, Radio oder von Geschichten, die Eltern oder Großeltern erzählen – das ist immer lange her oder weit weg.

Da ein Ziel von SeHT immer ist, den Horizont zu erweitern, Anregung und Teilhabe zu bieten, haben wir uns neben vielen Umweltthemen in den vergangenen Jahren immer wieder auch politischen Themen gewidmet. Ob das der Besuch im Europaparlament in Strassbourg war, Gespräche mit Politikern in Mainz, ein Wochenende in Niederbronn zum Thema Europa... um das ganze „Rund“ zu machen (ohne es zu beenden), war das Thema dieses Wochenendes in Niederbronn der Grenzverlauf zwischen Deutschland und Frankreich im 2. Weltkrieg, was das für die Menschen und die Kultur besonders im Elsaß bedeutete, die mal zu Frankreich, mal zu Deutschland gehörten.
Wie immer begannen wir die Reise am Freitag, diesmal versuchten wir den Übergang von Deutschland nach Frankreich bewusst wahrzunehmen – allerdings waren wir dank Umleitung und Navi plötzlich über der „grünen Grenze“ – einfach so in einem anderen Land – und keine hat uns bemerkt oder aufgehalten oder zurück geschickt – sehr angenehm.
Nach dem Abendessen machten wir noch einen Spaziergang, spielten Karten, erzählten, hörten Musik – jeder so, wie es angenehm war.
Am nächsten Morgen kam Inge Bellmann und wir beschäftigten uns mit Hilfe von Bildern und Karten mit dem Grenzverlauf, dem Leben zur Kriegszeit...
Anschließend gestalteten wir eine Landkarte – aber nicht gemalt, sondern in 3D – ein Teil der Gruppe breitete einen sehr großen grünen Stoff über 4 Tischen aus, formte mit zerknüllter Zeitung Berge und Täler, verteilte Karten mit den Orten der Gegend, „nähte“ eine Grenzlinie ein und vor allem den Verlauf der Ligne Maginot und dem Westwall – den Grenzbefestigungsanlagen von Frankreich und Deutschland. Der andere Teil der Gruppe formte mit Hilfe von Plastilin Häuser, Kirchen, Brunnen und mächtige Burgen, die auf der „Landkarte“ dann entsprechend der Lage verteilt wurden – nachdem sie noch liebevoll bemalt worden waren.

Dann bereiteten wir unsere Pizzen vor, die wir während des Spiels Deutschland – Schweden verspeisten – auch wenn es dem einen oder anderen fast den Appetit verhagelte – eine echte Grenzerfahrung, die die Deutsche Mannschaft zum Glück für sich entscheiden konnte – das war für die Stimmung der Gruppe auf jeden Fall sehr gut :-)



Am nächsten Morgen hatten wir eine Führung für unsere Gruppe in Lembach gebucht, um die Ligne Maginot von der Nähe kennenzulernen und mit allen Sinnen zu erfahren, was wir am Tag vorher in der Theorie erarbeitet hatten. Und dass Gerard, der uns alles erklärte, ein echter Zeitzeuge war, machte das ganze Rund. Dass alle Bewohner zwischen dem Westwall und der Ligne Maginot zwangsumgesiedelt wurden hatte uns schon am Tag zuvor sehr ergriffen – und Gerard schilderte lebhaft, dass die Umgesiedelten auch im eigenen Land nicht willkommen waren, wo sie hingebracht wurden – „ich bin geboren wie Jesus, in einem Stall und auf Stroh“.
Die Anlage an sich ist riesengroß, von außen nicht zu sehen und dank des ehrenamtlichen Engagements können wir heute noch sehen, wie das Leben der Soldaten damals war – wie sie schliefen (1 Bett für 3 Mann), wie und was sie aßen, die hygienischen Anlagen, Krankenzimmer...400 m lange Gänge, Nischen, die mit Sprengstoff gefüllt waren, um im Falle eines feindlichen „Einbruchs“ die Tunnel selbst sprengen zu können, die Waffen, ...die Kanone durften wir alle mal bewegen und durchspähen – wirklich beeindruckend, aber wir alle waren sehr froh, dass wir die Anlage einfach so verlassen konnten, dass draußen andere, freundliche Menschen waren, dass Weißenburg nicht evakuiert war, sondern wir uns da noch mit leckeren Schokoladenspezialitäten versorgen konnten – wir konnten wirklich spüren, wie gut es uns geht, dass wir einfach so von einer Seite auf die andere können, Deutsche und Franzosen sich freundlich Grüßen und begegnen und wir keine Angst vor imponierenden Geschossen haben müssen.

Möge es noch sehr lange so bleiben und wir alle nicht erleben müssen, dass sich das ändert. Unser Mitgefühl für die, deren Länder aktuell im Krieg sind und die mit all der damit verbundenen Grausamkeit leben müssen, war an diesem Tag besonders lebhaft.

Ich bin immer wieder froh, wenn Ihr mit mir gemeinsam unsere Grenzen ausdehnt.

Andrea Reiner


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Termine

26.06.2018
Rechtliche Betreuung


22. - 24.06.2018
Grenzerfahrungen – Wochenende in Niederbronn les bains


20.07.2018
Grillen bei Familie Mühlhölzer in Ellerstadt


04. - 11.08.2018
Trainingsfreizeit in Nürnberg


20. - 21.10.2018
Bundesfachtagung, KSI Siegburg